Er machte fünf Besichtigungen. Was er dann sagte, brachte mich zum Lachen.

Vor vielen Jahren meldete sich bei mir ein Interessent, der sich als „Herr Rossmann“ vorstellte und reges Interesse an einer hochpreisigen Immobilie aus meinem Angebot zeigte. Er kehrte am Telefon gleich Verbindungen zu einem bekannten Drogerieunternehmen heraus und machte sich dadurch natürlich interessant und wichtig für mich. Generell gilt bei mir immer höchste Diskretion, aber in diesem Fall, in dem sich später herausstellte, dass der Mann sich einfach nur wichtig machen wollte, sei mir erlaubt, den entliehenen Namen zu nennen.

Dann kam der Besichtigungstermin. Ich hatte einen galanten Geschäftsmann erwartet. Stattdessen fuhr ein alter klappriger Golf vor und ein offensichtlich schlecht gekleideter älterer Herr mit glänzend öligen Haaren stand vor mir. Er stellte sich als „Herr Rossmann“ vor und unterschrieb auch bereitwillig den Objektnachweis, der im Falle eines späteren notariellen Kaufvertrages meine Provision absichert. Ich rief mir in Erinnerung, dass man nie vom äußeren Erscheinungsbild auf den Menschen selber schließen sollte und habe eine entsprechend unvoreingenommen und professionelle Besichtigung des Objektes mit ihm durchgeführt. Auffallend war aber, dass „Herr Rossmann“ an sehr vielen Details in der Immobilie etwas zu nörgeln hatte, ja er redete fast alles schlecht und machte es „madig“. Ich machte gute Miene zum bösen Spiel und dachte mir: „Gott sei Dank sind die Verkäufer nicht anwesend, die hätten sich schwarz geärgert, wie man ihr Zuhause so madig macht.“ Eine zweite Besichtigung dieser Immobilie hat es nicht gegeben, denn das war wohl nicht das Richtige.


In den Folgemonaten stellte der besagte Interessent noch weitere 4 – 5 Besichtigungsanfragen bei unserer Firma zu anderen hochpreisigen Objekten aus unserem Bestand und hat mit verschiedenen Immobilienberatern aus unserem Team Besichtigungen durchgeführt, die ähnlich abliefen, wie ich oben geschildert habe. Einmal suggerierte der Interessent sogar deutliches Kaufinteresse, konnte aber keine der von uns geforderten Finanzierungsbestätigungen oder Bonitätsnachweise beibringen. Es kam, wie es kommen musste. Zum Kaufvertragsabschluss ist es natürlich nie gekommen.

Er sagte nach der letzten Besichtigung: „Bis zum nächsten Mal!“. Wenn Ich jetzt daran zurückdenke, muss ich laut lachen.

Heute hat sich die generelle Situation verändert, denn wir benötigen und verlangen nach dem Geldwäschegesetz immer schon vor der Besichtigung Personalausweiskopien. Auch mein Fingerspitzengefühl konnte ich in den Jahren darauf weiter verfeinern und ich falle fast nie mehr auf sogenannte „Immobilientouristen“ herein, die sich ihren Spaß daraus machen oder es als Passion sehen, Immobilien zu besichtigen, um sich wichtig zu machen, ohne eine Kaufabsicht zu haben. Privatverkäufer fallen aber auch heute noch schnell auf diese Art von Interessenten herein. Sie machen sich Mühe alles für die Besichtigung herzurichten und ärgern sich hinterher schwarz, wie sie behandelt wurden. Zum Verkauf kommt es natürlich auch hier nicht. Wir haben uns mittlerweile ein System erarbeitet, mit dem wir vor jeder Besichtigung die Ernsthaftigkeit und Seriosität der Interessenten abklären.

Diese geprüften, echten Interessenten werden von mir mit Leidenschaft und Passion persönlich gut beraten.

Mit „Herrn Rossmann“ besichtige ich nicht mehr.

 

Herzliche Grüße,

Eure Annegret


Annegret MöllerhermAnnegret hat sich 1999 als Immobilienmaklerin selbstständig gemacht. Auch zuvor hat Sie schon im Immobilienbereich gearbeitet als Bauzeichnerin- und technikerin in unterschiedlichen Architekturbüros. Seitdem hat Anne viel Erfahrung gesammelt, insbesondere in der Vermarktung von Wohnimmobilien ist sie Spezialistin. Annes Stärken sind ihr Fachwissen, ihre extrovertierte sympathische Art und ihr Verhandlungsgeschick. Als Chefin ist Sie immer darauf bedacht, dass alle Kollegen, die für Sie arbeiten, glücklich sind.

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